Donnerstag, 20. August 2015

Bye, Windel?

Eigentlich darf es diesen Blogpost nicht geben. Es ist ja das Elterngesetz Nr.1: erwähne nie das, was gut läuft, denn dann läuft es nicht mehr! Ich werde also bereit sein, diesen Beitrag jederzeit flux zu löschen, ihr versteht sicher.

Denn: das Tochterkind ist ja jetzt 3,5 Jahre alt und war bisher so gar nicht bereit, sich von ihrer Windel zu verabschieden. 

Wir kennen das schon vom Sohn. Da hat es erst kurz nach dem vierten Geburtstag geklappt, mit einem Unterschied: er hat es jederzeit bereitwillig versucht, ohne Windel klarzukommen, aber es funktionierte einfach nicht. Und irgendwie war es ihm glaub ich auch lieber mit Windel, da war er schon sehr bequem. Kurz nach dem vierten Geburtstag machte es dann klick, und es klappte. Aber noch bis kurz vor seinem sechsten Geburtstag mit vielen, vielen Unfällen. 

Der Tochter haben wir das Weglassen der Windel auch das ein oder andere Mal angeboten. Sie hat das aber immer vehement abgelehnt und war nicht bereit, es wenigstens auch nur einmal zu versuchen. Also haben wir sie gelassen. Fast zumindest.

Dass es keinen Sinn macht, in Bezug auf das Trockenwerden Druck aufzubauen, ist ja hinlänglich bekannt, und das haben wir mit Sicherheit bei keinem der Kinder getan, zumindest nicht bewusst. Der Tochter hatte ich aber einmal ein bestimmtes Geschenk nur für den bloßen Versuch, sich einmal auf die Toilette/Töpfchen zu setzen angeboten, etwas, was sie wirklich gerne haben wollte ( ein Orca von Schleich). Das setzte sie dann aber schon so unter Druck, dass wir das Thema wieder komplett ab acta legten, denn das war ja so nicht beabsichtigt. Ich hatte ein ziemlich schlechtes Gewissen.

Geschimpft habe ich auch noch das ein oder andere Mal, denn im Grunde störte mich das Wickeln ansich nicht, wohl aber das permanente Theater dabei, und hier habe ich dann schon gesagt: wer eine Windel tragen will, der muss sich auch wickeln lassen, ansonsten muss es eben ohne gehen. Aber im Grunde war das Thema Windel dann erstmal wieder ziemlich vergessen.

Vor ein paar Wochen fing sie dann an, ohne Windel laufen zu wollen, brauchte aber für jedes "Geschäft" eine Windel. Na super. Da steigen dann die Kosten noch mal enorm, wenn man für jedes Millimeterchen Pipi eine neue Windel braucht, denn wer läuft schon gerne mit einer halb vollgepinkelten Windel durch die Gegend. Ich nicht. Außerdem wird es ja mit zunehmender Größe des Kindes immer schwieriger, einen Wickelplatz zu finden, denn auch nach zwei Kindern bin ich zu doof, die Dinger im stehen so zu wickeln, dass da nix ausläuft. Also Hochziehwindeln gekauft. Und es so gemacht. Aber ehrlich, ein bisschen nervig war es schon.

Diesen Montag war ich mit den Kindern und der Oma unterwegs, zunächst den Uropa in Wilhelmshaven besuchen, dann noch Station in einem Indoorspielplatz. Auf dem Weg zum Indoorspielplatz kippte sich das Tochterkind fast eine komplette Flasche Wasser auf.. ja, sich selbst. Nass also, die junge Dame, und ich nahm die von innen und außen nasse Windel ab und ließ sie ohne laufen.

Nach ca. einer Stunde kam sie auf einmal an, sagte, sie würde jetzt Pipi machen. Auf der Toilette. Und machte es. Und ist seitdem - immerhin jetzt 3,5 Tage - unfallfrei, komplett unfallfrei, ohne Windel. Ich fasse es immer noch nicht. Nicht schön zu Hause oder an einem anderen, vertrauten Ort hat sich die Tochter das erste Mal überhaupt in ihrem kleinen Leben auf eine Toilette gesetzt, sondern in einem Indoorspielplatz. Indoorspielplatz.

Ich wage jetzt tatsächlich zu hoffen, dass wir mit dem Thema durch sind. Und nach der erfolgreichen "Entwindelung" des Sohnes nachts in diesem Frühjahr haben wir dann tatsächlich nur noch bei einem Kind Nachtwindeln!

Teilweise war es schon anstrengend, die Windelzeit. Und ab dem zweiten Geburtstag der Kinder häuften sich dann die Berichte der Eltern über die "Wunderkinder", bei denen alles total super und problemlos läuft, und die bei jedem Bericht einen Monat früher damit durch waren, jaabernatürlichdoch!!

Ich habe Töpfchentraining immer abgelehnt und bin auch im Nachhinein froh und bestätigt, das nicht gemacht zu haben. Aber manchmal habe ich mich doch etwas verunsichern lassen. Klar, über die Kinder, die einfach länger brauchen, redet nie jemand, auch, wenn das völlig normal ist (und das ist übrigens beim Thema "nachts trocken werden" noch mal schlimmer...). Und ständig die Fragen, grad der älteren Generation: wie, immer noch Windel? Na da macht wohl die Mutter etwas falsch!

Aber in nicht allzu langer Zeit wird kein Hahn und kein Hähnchen mehr danach krähen, wann meine Kinder trocken waren. Genauso wenig wie danach, wann sie krabbeln, laufen oder sprechen konnten. 

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