Dienstag, 10. März 2015

Laute Kinder

Ich lese ja immer wieder gerne bei Susanne Mierau von Geborgen Wachsen. Das ist einfach eine tolle Seite mit schönen, sinnvollen Beiträgen. Die Art und Weise, wie Susanne schreibt, ist ganz wunderbar und zeigt oft ganz neue, dennoch einfache Betrachtungsweisen unserer Kinder und hilft immer wieder, diese ein Stück besser zu verstehen.

Besonders berührt hat mich ihr Beitrag zu den lauten Kindern. Denn: ich habe auch zwei laute Kinder. Zwei sehr laute Kinder. Zwei sehr, sehr laute Kinder.

Ich bin selber kein lauter Mensch. Ich bin nicht schüchtern, ich kann für mich und meine Meinung einstehen, aber - in Zimmerlautstärke. Ich muss das nicht immer alles rausbrüllen. Sozusagen. Und deshalb bringen mich meine Kinder mit ihrer Lautstärke oft an meine Grenzen.

Es gibt auch laute Sachen, die ich mag. Sachen, die laut sein müssen. Musik, zum Beispiel, immer noch und immer wieder. Aber laute Kinder können manchmal echt den persönlichen Toleranzrahmen sprengen.

Deshalb kann ich es auch schon in gewisser Weise verstehen, dass es viele, sehr viele Leute gab, gibt und immer geben wird, die sich über meine lauten Kinder ärgern. Klar doch, mir klingeln ja selber manchmal die Ohren. Nur, was mich daran immer sehr betroffen macht ist, dass Kinder, die nicht still und leise an Mamas Bein geklammert stehen oft gleichgesetzt werden mit verkorkster Erziehung und schlechtem Benehmen. Zumindest ist mir dieser Vorwurf schon oft gemacht worden, direkt und indirekt.

Manchmal frage ich mich, wo ich mit den Kindern noch hin soll, wenn es teilweise schon auf dem Spielplatz heißt: "Können die nicht mal ruhig sein?" Gleichzeitig habe ich oft den Eindruck, dass die Toleranzgrenze hier bei vielen Leuten stark gesunken ist. Meine Kinder rennen ja auch nicht dauerbrüllend durch die Gegend. Trotzdem sind die ruhigen Exemplare, die schön brav ihr Sandbürgchen bauen, beim Durchschnitt der Mitmenschen beliebter.

Meine beiden Kinder waren beide Schreibabys. Da gab es natürlich viele schlaue Leute, die gerne bereit waren, ihr Wissen kundzutun: "Oh, der/die hat aber Hunger, merken Sie das nicht? Wann hat das arme Kind das letzte Mal was zu Essen bekommen?" Aber auch bei älteren Kindern sind Fremde gern hilfsbereit. Von "Dem müssen Sie mal ordentlich Bescheid sagen!" bis zu "Ist der behindert?!" (Im Ernst!!!!!! Und da erschreckt mich gar nicht mal dran, dass sich eingemischt wird und mein Kind für behindert gehalten wird, sondern dass es tatsächlich Menschen gibt, die mit Behinderung anscheinend lautes Reden/Schreien gleichsetzen! Kannste dir nicht ausdenken, oder?!) habe ich alles schon mehrfach erlebt. Doof.

Ich laufe ja wirklich nicht durch die Weltgeschichte und lass meine Kinder machen und tun, wonach ihnen grad ist. Sie sollen natürlich lernen, dass man auch Rücksicht nehmen muss, dass ein Miteinander, sei es in der Familie, sei es in der Öffentlichkeit, nur dann gut funktioniert, wenn alle das wenigstens ein bisschen versuchen. Aber ich kann meine Kinder auch nicht abschalten.

Susannes Artikel zeigt auf, dass eine gewisse Lautstärke bei Kindern gar nicht mal so unnatürlich ist. Und dass da niemand dran Schuld ist und auch gar nicht Schuld sein muss und kann.

Ich habe mit meinen Kinder zB folgende Vereinbarung: wenn wir abends nach Hause kommen, dann ist "Ruhe". Das heißt konkret, dann wird nicht mehr durch die Wohnung gerannt und getobt, dann fahren wir das Tempo und gleichzeitig die Lautstärke etwas runter. So können wir auch alle zur Ruhe kommen und den Tag gut abschließen.

In Cafés (wo meine Kinder gerne hingehen) wird nicht gerannt und getobt, ebenso wenig in Geschäften. Hier in der Wohnung passen wir auch auf, dass nicht gleich morgens rumgelärmt wird. Aber auf dem Spielplatz? Da sollen sie doch ihre Energie rauslassen, dafür ist das doch da, oder habe ich da was falsch verstanden? :)

Was mir im Übrigen auch immer wieder auffällt: es gibt sehr viele Menschen, die, wenn sie mit Kindern reden, selber lauter reden. Und das geht mir auch so, oft unbemerkt: wenn jemand mit mir redet und dabei lauter wird, dann werde ich auch manchmal lauter.

Also: Ernst gemeintes Verständnis für Menschen, die sich an lauten Kindern stören, aber gleichzeitig etwas mehr Toleranz für unsere kleinsten Mitbürger - das wäre toll! Und wie Susanne schreibt: laute Kinder sind schlau, nicht schlecht erzogen ;)

 

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