Dienstag, 30. September 2014

Geht's noch?!

Genau das war die Frage, die ich mir gestern unweigerlich stellen musste. Und ein bisschen koche ich immer noch, köcheln könnte man das nennen.

Warum?

Gestern Nachmittag stand bei der Tochter ein Augenarzttermin an. Der zweite Termin bisher. Meine Kinderärztin hatte uns zur Kontrolle geschickt, da a) mein Mann und ich beide relativ stark kurzsichtig sind, also macht das Sinn, das auch bei den Kindern mal abzuchecken und b) die Tochter schon von Geburt an einen unheimlich kleinen Kopfumfang hat (aktuell mit fast 3 Jahren ca. 47 cm, wobei das ja fast schon nicht mehr so klein ist...), deshalb sollte der Druck hinter den Augen gemessen werden. Leuchtet mir beides ein, alles gut, gehen wir da mal hin.

Punkt b war relativ schnell geklärt, keine Auffälligkeiten, alles supi.

Nun zu Punkt a. Jetzt muss ja rausgefunden werden, ob das Kind richtig gucken kann. Dafür gibt es in manchen Augenarztpraxen sogenannte Orthoptisten, die sich im günstigsten Fall auch wirklich gut mit Kindern auskennen und darauf spezialisiert sind (so wir mir hier angekündigt).

Schon beim ersten Mal war das alles nicht so einfach, und die besagte Fachkraft mir nicht sonderlich sympathisch. Kühl, abweisend, kein bisschen Humor. Na ja, jeder hat ja mal einen schlechten Tag. Zumindest ließ sich die Tochter nicht dazu bewegen, auch nur an irgendeinem dieser Sehtests teilzunehmen. Sie wollte weder in das tolle Gerät gucken, in dem ein lustiges Häuschen zu sehen war (wenn man reinguckt halt nur), noch wollte sie sich ein Auge zuhalten oder abkleben lassen, um dann flüssig und entspannt bis hin zu ihren mit der ihr gegebenen Sehkraft entsprechenden Möglichkeiten von der Tafel geometrische Formen wie Kreis, Dreieck oder Quadrat (und welches Kind beherrscht die bitteschön mit 2,5 Jahren nicht?!) abzulesen.

Da war die gute Frau doch schon recht gestresst. Ich habe versucht, die ganze, ähm, Verweigerung auf den nur kurzen Mittagsschlaf zurückzuführen und bin also mit einem neuen Termin für den gestrigen Tag wieder aus der Praxis gegangen.

Gestern war es dann soweit, Wiederholung des Sehtests. Tochter hatte gut geschlafen, war grundsätzlich guter Dinge, alles bestens.

In das tolle Gerät gucken? Fehlanzeige? Wenn der Bruder es vormacht? Nö. Wenn Teddy es vormacht? Nö.

Gut. Wir gehen in das Behandlungszimmer zur Orthoptistin. Was soll ich sagen, es war wieder nicht möglich den Sehtest (und dieses Mal kam sie mir mit diesem großen E, was vielleicht viele aus den Kinderarztpraxen kennen, mal liegt es auf dem Rücken, mal zeigt es nach unten usw. - mein Großer, bestimmt nicht blöd, konnte das JETZT mit der letzten U vor nem halben Jahr mit 5 Jahren erst wirklich richtig gut wiedergeben, was das E da nun grad macht) auch nur annähernd durchzuführen. Die Tochter war unglaublich gestresst, das hat man als Außenstehender vielleicht nicht gesehen. Aber sie hat geschwitzt, hat sich die Augen gerieben und irgendwann angefangen zu weinen (sie weint nicht leise, NIE!)...

Mir ist vollkommen klar, das es gut wäre, irgendwann mal zu erfahren, wie es um die Sehkraft der Tochter bestellt ist. Aber anstatt ein bisschen verständnisvoll zu reagieren, kam dann der Punkt, an dem ich eigentlich die Praxis ohne ein Wort hätte verlassen müssen: die Orthoptistin sagte, dass wir einen neuen Termin ausmachen müssten, und bis dahin müsste ich mein Kind ein bisschen besser erziehen. Das müsste funktionieren, wenn wir da sitzen, dann MUSS sie mitmachen, das liegt alles in meiner Hand, und wenn das nicht klappt, dann habe ich in der Erziehung was falsch gemacht, lasse mich von meinem Kind ausspielen und so wird das dann nie was.

Ich bin wirklich kein Mensch, der um eine Antwort verlegen ist. Aber gestern war ich es. Sie redete noch weiter in diese Richtung. Bei dem Punkt, an dem sie sagte "...ich möchte Ihnen da nicht zu nahe treten..." hatte ich mich (mit brüllendem Kind auf dem Schoß und quengelndem Sohn, dem das alles zu doof wurde) so weit gesammelt, dass ich sie mit "Sind Sie mir schon" unterbrechen konnte, dann habe ich nur der Höflichkeit halber gesagt, dass das Ganze jetzt sowieso keinen Sinn mehr macht und bin gegangen.

Ich hatte selber gestern auch nicht den besten Tag, war müde, hatte einen stressigen Vormittag hinter mir und einen langen Abend mit Vorstandssitzung der KiTa in Erwartung. Ansonsten hätte ich mich trotzdem SEHR geärgert, aber ich kann sowas dann auch ganz gut unter "Lass sie reden" verbuchen und mich nicht so sehr aufregen. Aber gestern ging das nicht, und wie bereits gesagt, ich köchele noch.

Es geht gar nicht darum, dass ich nicht weiß, dass die Untersuchung einen Sinn hat. Aber - was soll ich sagen? Ich halte meine Kinder für meinen Erwartungen und ihrem Alter entsprechend gut genug erzogen. Das Ziel meiner Erziehung ist es aber nicht, dass sie auf Knopfdruck funktionieren. Vor allem nicht in dem Alter, in einer ungewohnten Situation und einem fremden Menschen gegenüber, der seine Ablehnung relativ deutlich zum Ausdruck bringt .

Die Tochter ist fremden Menschen gegenüber aufgeschlossen, wenn diese auf sie zukommen und ihr freundlich begegnen. Wir waren ja schon bei einigen fremden Ärzten, Fachärzten, Vertretungsärzten. Es gab nie große Probleme. Aber so ging es halt nicht, und dann kann UND WILL ich auch nichts erzwingen.

Jetzt warten wir erstmal ab. Ich werde das Ganze mit meiner Kinderärztin besprechen - bei Gelegenheit. Dann denke ich, dass wir in einiger Zeit mal nach einem anderen Augenarzt schauen werden. Und so lange mir meine Tochter bis dahin nicht so blind erscheint, dass sie über ihre eigenen Füße stolpert, geht das wohl auch so.

1 Kommentar:

  1. Boah krass!
    Ich glaub da wäre ich auch sprachlos gewesen.
    Da würde ich keinen Fuß mehr rein setzen.

    Uns erging es mal ähnlich.
    Als die Apfelina noch nicht mal 2,5 war, sollte sie auch zum Augenarzt zum Test. Und zwar mit Tropfen vorher.
    Ich hab es zu Hause nicht geschafft ihr die Tropfen in die Augen zu machen. In der Praxis scheiterten dann auch die verschiedenen Versuche.
    Als man sie dann mit drei Leuten festhalten wollte um ihr diese blöden Tropfen in die Augen zu machen, bin ich auch gegangen.
    Unter verständnislosen Blicken und Kopfschütteln.
    Hallo? Ich traumatisiere doch mein Kind nicht!

    Im Dezember steht das allerdings jetzt wieder an.
    Die "normalen" Sehtests, auch wie Du sie beschrieben hast, hat sie super mitgemacht. (ist aber auch schon 4) Jetzt muss nochmal mit Tropfen kontrolliert werden. Ich weiß noch nicht wie das wird.
    Mit Gewalt zwingen werde ich sie aber auch dieses Mal nicht.

    Alles Gute weiterhin für Euch

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